Web CarlvonClausewitz.de
 

Vom Kriege

Erster Teil
Erstes Buch
Über die Natur des Krieges
Zweites Buch
Über die Theorie des Krieges

 
Drittes Buch
Von der Strategie überhaupt
1. Kapitel
Strategie
2. Kapitel
Elemente der Strategie
3. Kapitel
Moralisch Größen
4. Kapitel
Die moralischen Hauptpotenzen

5. Kapitel
Kriegerische Tugend des Heeres

6. Kapitel
Die Kühnheit
7. Kapitel
Beharrlichkeit
8. Kapitel
Überlegenheit der Zahl
9. Kapitel
Die Überraschung
10. Kapitel
Die List

11. Kapitel
Sammlung der Kräfte im Raum

12. Kapitel
Vereinigung der Kräfte in der Zeit

13. Kapitel
Strategische Reserve
14. Kapitel
Ökonomie der Kräfte
15. Kapitel
Geometrisches Element
16. Kapitel
Über den Stillstand im kriegerischen Akt

17. Kapitel
Über den Charakter der heutigen Kriege

18. Kapitel
Spannung und Ruhe (Das dynamische Gesetz des Krieges)

 

Viertes Buch
Das Gefecht
Zweiter Teil
Fünftes Buch
Die Streitkräfte
Sechstes Buch
Verteidigung
Dritter Teil
Skizzen zum siebenten Buche
Der Angriff
Achtes Buch
Kriegsplan
 

 



Frontseite >> Schriften >> Vom Kriege >> Von der Strategie überhaupt >>
 

7. Kapitel

Beharrlichkeit

Von Winkeln und Linien erwartet der Leser zu hören und findet statt dieser Bürger der wissenschaftlichen Welt nur Leute aus dem gemeinen Leben, die er alle Tage auf der Straße begegnet. Und doch kann der Verfasser sich nicht entschließen, ein Haarbreit mathematischer zu werden als ihm sein Gegenstand zu sein scheint, und er scheut nicht die Befremdung, welche ihm sein Leser zeigen könnte.

Im Kriege mehr als irgendwo sonst in der Welt kommen die Dinge anders, als man sich es gedacht hat, und sehen in der Nähe anders aus als in der Entfernung. Mit welcher Ruhe kann der Baumeister sein Werk aufsteigen und in seine Zeichnung hineinwachsen sehen! Der Arzt, obgleich viel mehr unerforschlichen Wirkungen und Zufällen preisgegeben als der Baumeister, kennt doch die Wirkungen und Formen seiner Mittel genau. Im Kriege befindet sich der Führer eines großen Ganzen im beständigen Wellenschlag von falschen und wahren Nachrichten; von Fehlern, die begangen werden aus Furcht, aus Nachlässigkeit, aus Übereilung; von Widerspenstigkeiten, die ihm gezeigt werden aus wahrer oder falscher Ansicht, aus üblem Willen, wahrem oder falschem Pflichtgefühl, Trägheit oder Erschöpfung, von Zufällen, an die kein Mensch gedacht hat. Kurz, er ist hunderttausend Eindrücken preisgegeben, von denen die meisten eine besorgliche, die wenigsten eine ermutigende Tendenz haben. Lange Kriegserfahrung bringt zu dem Takt, den Wert dieser einzelnen Erscheinungen schnell zu würdigen, hoher Mut und innere Stärke widerstehen ihnen, wie der Fels dem Geplätscher der Wellen. Wer diesen Eindrücken nachgeben wollte, würde keine seiner Unternehmungen durchführen, und darum ist die Beharrlichkeit in dem gefaßten Vorsatz, so lange nicht die entschiedensten Gründe dagegen eintreten, ein sehr notwendiges Gegengewicht. - Ferner gibt es im Kriege fast kein ruhmvolles Unternehmen, was nicht mit unendlicher Anstrengung, Mühe und Not zustande gebracht würde, und wenn hier die Schwäche des physischen und geistigen Menschen immer zum Nachgeben bereit ist, so kann wieder nur eine große Willenskraft ans Ziel führen, die sich in einer von Welt und Nachwelt bewunderten Ausdauer kundtut.