Web CarlvonClausewitz.de
 

Vom Kriege

Erster Teil
Erstes Buch
Über die Natur des Krieges
Zweites Buch
Über die Theorie des Krieges

 
Drittes Buch
Von der Strategie überhaupt
1. Kapitel
Strategie
2. Kapitel
Elemente der Strategie
3. Kapitel
Moralisch Größen
4. Kapitel
Die moralischen Hauptpotenzen

5. Kapitel
Kriegerische Tugend des Heeres

6. Kapitel
Die Kühnheit
7. Kapitel
Beharrlichkeit
8. Kapitel
Überlegenheit der Zahl
9. Kapitel
Die Überraschung
10. Kapitel
Die List

11. Kapitel
Sammlung der Kräfte im Raum

12. Kapitel
Vereinigung der Kräfte in der Zeit

13. Kapitel
Strategische Reserve
14. Kapitel
Ökonomie der Kräfte
15. Kapitel
Geometrisches Element
16. Kapitel
Über den Stillstand im kriegerischen Akt

17. Kapitel
Über den Charakter der heutigen Kriege

18. Kapitel
Spannung und Ruhe (Das dynamische Gesetz des Krieges)

 

Viertes Buch
Das Gefecht
Zweiter Teil
Fünftes Buch
Die Streitkräfte
Sechstes Buch
Verteidigung
Dritter Teil
Skizzen zum siebenten Buche
Der Angriff
Achtes Buch
Kriegsplan
 

 



Frontseite >> Schriften >> Vom Kriege >> Von der Strategie überhaupt >>
 

4. Kapitel

Die moralischen Hauptpotenzen

Sie sind: die Talente des Feldherrn, kriegerische Tugend des Heeres, Volksgeist desselben. Welcher dieser Gegenstände mehr Wert hat, kann niemand im allgemeinen bestimmen, denn es ist schon an sich schwer, von ihrer Größe überhaupt etwas auszusagen, und noch schwerer, die Größe des einen an der Größe des anderen abzuwägen. Das beste ist, keinen gering zu achten, wozu das menschliche Urteil in seinem etwas grillenhaften Hin- und Herlaufen bald auf dieser, bald auf jener Seite geneigt ist. Es ist besser, sich für die unverkennbare Wirksamkeit dieser drei Gegenstände hinlängliche historische Zeugnisse aufzustellen.

Indessen ist es wahr, daß in der neueren Zeit die Heere der europäischen Staaten ziemlich alle auf denselben Punkt von innerer Fertigkeit und Ausbildung gekommen sind, und daß das Kriegführen sich, mit einem Ausdruck des Philosophen, so naturgemäß ausgebildet hat, dabei zu einer Art Methode geworden ist, die ziemlich alle Heere innehaben, daß auch von seiten des Feldherrn auf die Anwendung besonderer Kunstmittel im engeren Sinn (etwa wie Friedrichs des Zweiten schiefe Schlachtordnung) nicht mehr zu rechnen ist. Es ist also nicht zu leugnen, daß, wie die Sachen jetzt stehen, dem Volksgeist und der Kriegsgewohnheit des Heeres ein um so größerer Spielraum bleibt. Ein langer Friede könnte dies wieder ändern.

Der Volksgeist des Heeres (Enthusiasmus, fanatischer Eifer, Glaube, Meinung) spricht sich im Gebirgskriege am stärksten aus, wo jeder sich selbst überlassen ist bis zum einzelnen Soldaten hinab. Schon darum sind Gebirge für Volksbewaffnungen die besten Kampfplätze.

Kunstvolle Fertigkeit des Heeres und der gestählte Mut, der die Haufen zusammenhält, als wären sie aus einem Guß, zeigen sich am überlegensten in der freien Ebene.

Das Talent des Feldherrn hat den meisten Spielraum in einer durchschnittenen, hügelreichen Gegend. Im Gebirge ist er zu wenig Herr der einzelnen Teile, und die Leitung alter geht über seine Kräfte; in der freien Ebene ist sie zu einfach und erschöpft diese Kräfte nicht.

Nach diesen unverkennbaren Wahlverwandtschaften sollten sich die Entwürfe richten.