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Vom Kriege

Erster Teil
Erstes Buch
Über die Natur des Krieges
Zweites Buch
Über die Theorie des Krieges

 
Drittes Buch
Von der Strategie überhaupt
1. Kapitel
Strategie
2. Kapitel
Elemente der Strategie
3. Kapitel
Moralisch Größen
4. Kapitel
Die moralischen Hauptpotenzen

5. Kapitel
Kriegerische Tugend des Heeres

6. Kapitel
Die Kühnheit
7. Kapitel
Beharrlichkeit
8. Kapitel
Überlegenheit der Zahl
9. Kapitel
Die Überraschung
10. Kapitel
Die List

11. Kapitel
Sammlung der Kräfte im Raum

12. Kapitel
Vereinigung der Kräfte in der Zeit

13. Kapitel
Strategische Reserve
14. Kapitel
Ökonomie der Kräfte
15. Kapitel
Geometrisches Element
16. Kapitel
Über den Stillstand im kriegerischen Akt

17. Kapitel
Über den Charakter der heutigen Kriege

18. Kapitel
Spannung und Ruhe (Das dynamische Gesetz des Krieges)

 

Viertes Buch
Das Gefecht
Zweiter Teil
Fünftes Buch
Die Streitkräfte
Sechstes Buch
Verteidigung
Dritter Teil
Skizzen zum siebenten Buche
Der Angriff
Achtes Buch
Kriegsplan
 

 



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17. Kapitel

Über den Charakter der heutigen Kriege

Die Rücksicht, welche man dem Charakter der heutigen Kriege schuldig ist, hat einen großen Einfluß auf alle Entwürfe, vorzüglich die strategischen.

Seit alle gewöhnlichen früheren Mittel durch Bonapartes Glück und Kühnheit über den Haufen geworfen und Staaten vom ersten Range fast mit einem Schlage vernichtet worden sind, seitdem die Spanier durch ihren anhaltenden Kampf gezeigt haben, was Nationalbewaffnungen und Insurrektionsmittel im großen vermögen trotz ihrer Schwäche und Porösität im einzelnen, seitdem Rußland durch seinen Feldzug von 1812 gelehrt hat, erstens, daß ein Reich von großen Dimensionen nicht zu erobern ist (welches man füglich vorher hätte wissen können), zweitens, daß die Wahrscheinlichkeit des Erfolges nicht in allen Fällen in dem Maße abnimmt, als man Schlachten, Hauptstädte, Provinzen verliert (welches früher allen Diplomaten ein unumstößlicher Grundsatz war, daher sie auch gleich mit einem interimistischen schlechten Frieden bei der Hand waren), sondern daß man oft mitten in seinem Lande am stärksten ist, wenn die Offensivkraft des Gegners sich schon erschöpft hat, und mit welcher ungeheuren Gewalt dann die Defensive zur Offensive überspringt, seitdem ferner Preußen 1813 gezeigt hat, daß plötzliche Anstrengungen die gewöhnliche Stärke einer Armee auf dem Wege der Miliz versechsfachen können, und daß diese Miliz ebensogut außerhalb des Landes als im Lande zu gebrauchen ist, - nachdem alle diese Fälle gezeigt haben, welch ein ungeheurer Faktor in dem Produkt der Staats-, Kriegs- und Streitkräfte das Herz und die Gesinnung der Nation sei, - nachdem die Regierungen alle diese Hilfsmittel kennengelernt haben, ist nicht zu erwarten, daß sie dieselben in künftigen Kriegen unbenutzt lassen werden, sei es, daß die Gefahr der eigenen Existenz ihnen drohe, oder ein heftiger Ehrgeiz sie treibe.

Daß Kriege, welche mit der ganzen Schwere der gegenseitigen Nationalkraft geführt werden, nach anderen Grundsätzen eingerichtet sein müssen als solche, wo alles nach dem Verhältnis der stehenden Heere zueinander berechnet wurde, ist leicht einzusehen. Die stehenden Heere glichen sonst den Flotten, die Landmacht der Seemacht in ihrem Verhältnis zum übrigen Staat, und daher hatte die Kriegskunst zu Lande etwas von der Seetaktik, was sie nun ganz verloren hat.